„Karate für über 35 jährige“

 

Beim Training dieser Gruppe (im japanischen „Jukuren“) gewinnt der persönliche Kontakt eine besondere Bedeutung. Die vorhandene Lebenserfahrung dieser Gruppe gibt dem Dojo (Übungsstätte) eine besondere Atmosphäre. Höflichkeit und Respekt stehen im Mittelpunkt des Trainings dieser Gruppe. Das Ziel im Karate mit älteren sind: soziale Kontaktaufnahme, Entgegenwirken der alters- und gesundheitsbedingten Beeinträchtigungen sowie Stabilisierung bzw. Aufbau von Selbstwertgefühl und Selbstsicherheit.

Frauen und Männer die aufgrund ihres Alters das Karate nicht mehr unter Leistungsgesichtspunkten trainieren wollen oder können sollen hierdurch animiert werden. Durch ehemalige oder noch aktive Karateka und Senioren, die als Anfänger ins Karate einsteigen, sind daher zwei Interessengruppen vorhanden. Dadurch das beide Gruppen zusammen trainieren und kein Leistungsdruck auf dieser Gruppe lastet, können die Ehemaligen sich auch mit den Anfängern etwas Intensiver beschäftigen.

Ein wesentlicher Aspekt besteht im Seniorenbereich darin, die Mobilität zu erhalten und den Alterungsprozess durch die körperliche Bewegung zu verzögern. Um die sportliche Leistungsfähigkeit zu erhalten, zu verbessern oder den leistungsbedingten Rückgang zu verzögern, müssen Belastung und Erholung, Trainingshäufigkeit und Belastungsintensität sorgfältig auf einander abgestimmt werden. Ein größerer Stellenwert sollte bei älteren Karateka dem Entspannungstraining beigemessen werden. Erwachsene haben die Fähigkeit zum Entspannen weit gehend verlernt. Gerade hier kann man die Vorteile im Karate deutlich machen.

Die Gymnastik sollte personen- nicht kriteriensorientiert durchgeführt werden, das heißt, auf die eigenen Möglichkeiten sollte immer wieder hingewiesen werden. Schnellkraftübungen mit vorherigen Dehnungseffekten können nur noch unter genauer Beachtung oder individuellen Leistungsmöglichkeiten gefordert werden. Zeitlich haben Dehnungs- und Lockerungsübungen anteilsmäßig den größten Platz. Der ältere Karateka ist meist verspannter als der jüngere, durch Haltungsschäden im Beruf oder Inaktivität in der Freizeit. Im technischen Bereich bietet es sich daher an, Karate unter historisch – traditionellen Gesichtspunkten als Selbstverteidigung oder im Bereich der freien Partnerform zu erlernen. Besonders durch die Technikbreite des Karate wird eine der jeweiligen Altersstruktur angepasste Trainingsgestaltung ermöglicht. Ein aktives Wettkampftraining ist für diese Zielgruppe weniger angebracht.

Unter diesen Gesichtspunkt wird noch einmal deutlich, daß Karate bis ins hohe Alter ausgeübt werden kann. Denn nicht der sportliche Erfolg steht hier im Vordergrund, sondern die eigene Körpererfahrung und innere Zufriedenheit. Die geschichtliche Entwicklung des Karate mit seinen Ursprüngen in anderen Kampfkunstarten bietet neben kulturellen Angeboten, Übungen für eine offene Lebens- bzw. Geisteseinstellung.

Alle Frauen und Männer die sich am Karatetraining dieser Altersgruppe beteiligen möchten, sind hierzu recht herzlich eingeladenen. Der Polizei Sportverein Bielefeld bietet diese Möglichkeit jeden Mittwoch ab 20.00 Uhr in der Sporthalle der ehem. Falk Realschule, Dr. Viktoria-Steinbiß-Str. 3, an.